Eiderstedt

Haubarge

Haubarge sind und waren die größten Bauernhäuser Europas. Mit wenigen Ausnahmen gibt es sie nur auf der Halbinsel Eiderstedt an der Westküste Schleswig-Holsteins. Vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sind mehr als 400 errichtete Haubarge bekundet. Die Bauweise brachten Ende des 16. Jahrhunderts eingewanderte Holländer (Ostfriesen) mit nach Nordfriesland. Aus den langgestreckten Gulfhäusern (auch als Ostfriesenhaus bezeichnet, hat ebenfalls eine Ständerbauweise), die sie bis dahin bauten, entwickelten sie die gewaltigen, den Naturgewalten trotzenden Haubarge.

Ein Haubarg hat vier, sechs oder auch acht Zentralständer, die das massive Reetdach tragen, das oft eine Gesamtfläche von 1000 qm hat. Ein Vierständerhaus ist quadratisch, Sechs- und Achtständerhäuser rechteckig. Die Ständer sind durch Längs- und Querbalken (Pfetten) miteinander verbunden. Je vier Ständer bilden in der Mitte des Hauses einen Vierkant. Hier wurde das Stroh eingelagert, das nach dem Dreschen anfiel. Um diese Mitte herum befanden sich die Wohnräume und Stallungen sowie die sogenannte Loh (auch Loo geschrieben), ein Dreschraum. Außerhalb der Erntezeit wurde die Loh auch als Wagenremise genutzt.

Das Besondere an der Bauweise der Haubarge ist, dass sie den Stürmen und Sturmfluten an der Westküste standhalten können. Auch, wenn die nicht tragenden Mauern durch eine Sturmflut eingedrückt werden, hält die Ständerkonstruktion stand.

Diverse Haubarge auf Eiderstedt können besichtigt werden. Ich war überwältigt, als ich auf verschiedenen Dachböden stand und mir die Balkenkonstruktionen angesehen habe. Das ist wirklich gigantisch! Ich komme später noch auf einzelne Haubarge zu sprechen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Milch- und Mastviehhaltung für die Landwirte auf Eiderstedt lukrativer. Für die Aufstallung von noch mehr Vieh war der Haubarg mit seinen Räumlichkeiten aber nicht geeignet. Auch große Landmaschinen, die es im 20. Jahrhundert vermehrt gab, konnten aufgrund der schmalen Zuwege nicht untergestellt werden, so dass die Landwirte auf andere Gebäude ausweichen mussten. Der Haubarg war nun nicht mehr rentabel, denn auch die Kosten für die Instandhaltung waren immens. Reet war in den Jahrhunderten davor als heimisches Naturprodukt das übliche und kostengünstigste Material für die Bedachung der Häuser. Im Laufe der Zeit wurde es aber wohl zur teuersten Variante.

1930 gab es noch 180, heute noch etwa 90 Haubarge auf Eiderstedt, wovon gerade noch etwa 60 die typischen Baumerkmale aufweisen. Andere sind durch bauliche Veränderungen nur noch bedingt als Haubarge identifizierbar. Nur wenige werden noch landwirtschaftlich genutzt. Viele sind für Ferienwohnungen umgebaut worden. Ich habe bereits in zwei Haubargen übernachtet und werde noch weitere ansehen und „bewohnen“. Zu gegebener Zeit werde ich von meinen Erlebnissen berichten 😊


Quelle: Bauerngärten der Eiderstedter Haubarge - Das Geheimnis hinter den Bäumen, Halke Lorenzen, 2. Auflage 2021 im Selbstverlag

               ISBN 978-3-00-065769-6

 

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